Tänzer wolllen ein strahlendes Lächeln,
Zahnbehandlung im Ausland machts möglich
Um nicht nur während des Tanzens optisch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, lies
sich der Tänzer Egidius Flair noch einmal vorsorglich die Zähne bei einem Zahnarzt in Stockach professionell
reinigen. Für die anstehenden deutschen Meisterschaften im Tango wollte er nichts riskieren. Er musste großartig
aussehen, wenn es soweit war. Und die Zähne waren nun mal eine art Visitenkarten, wenn es um ästhetisches Auftreten
ging. Das wusste auch Egidius Flair und so lies er sich die Zähne zusätzlich bleichen.
Fünf Tage später war es soweit. Er und seine Partnerin, Stacey Feinbein, traten mit der Startnummer 7 auf. Die
Startnummern wurden immer paarweise vergeben. Insgesamt nahmen 20 Paare am diesjährigen Wettbewerb teil. Darunter
waren mitunter Tanzschulen von deutschlandweit tadellosem Ruf vertreten.
Bereits beim ersten Tanz gab es Probleme. Stacey wirkte irgendwie unstet, als könne sie sich nicht richtig
konzentrieren. Immer wieder schaute sie ihm auf den Mund. Besonders schlimm wurde es, sobald er etwas sagte. Dann
war sie wie weggetreten. Danach war Egidius sicher, dass sie schon gleich nach der ersten Runde rausfliegen würden.
Er war unglaublich sauer auf Stacey, die am liebsten im Boden versunken wäre. Nach und nach wurden die wartenden
Paare in die nächste Runde berufen. Bereits fünf sollten nach Runde eins ausscheiden. Als Egidius und Stacey nebst
fünf anderen Paaren noch als einzige übrig waren, war sich Egidius bereits mehr als sicher, dass sie die nächste
Runde wohl kaum erreichen würde. Der Sprecher der Jury, der Egidius und Stacey nach ihrer Vorstellung keines
Blickes mehr gewürdigt hatte, setzte gerade dazu an, das letzte Paar bekannt zu geben, dass in die nächste Runde
einziehen sollte. Egidius versuchte wenigstens noch einen Eindruck als guter Verlierer zu hinterlassen und lächelte
dem Sprecher zuversichtlicher zu, als ihm zu Mute war.
Als der Sprecher seinen Blick hob und gerade angesetzt hatte zu sprechen, da
verschlug es ihm augenblicklich die Sprache. Wie geblendet und verzaubert schaute er auf den nunmehr unsicher
lächelnden Egidius. Hastig kaschierte er sein Zögern, indem er Egidius und Stacey als qualifiziert für die nächste
Runde erklärte. Egidius konnte dieses Glück kaum fassen. Und Stacey freute sich mit ihm! Je mehr er strahlte, desto
mehr war auch Stacey hin und weg. Allerdings beobachtete Egidius, dass der Entschluss des Sprechers die Jury
verwirrt zu haben schien. Dieser machte ihnen seinen Entschluss mit gebleckten Zähnen klar, so dass Egidius eine
Unstimmigkeit vermutete. Doch stattdessen blickte die Jury geschlossen zu ihm. Er wollte sich nichts anmerken
lassen und tat ganz überrascht und prostete der Jury lächelnd mit seinem Sektglas zu. Deren Gesichter ließen
daraufhin keine Verwirrung mehr erkennen – eher eine Art freudige Verzückung.
Doch richtig sonderbar wurde es erst in den folgenden Runden, denn Egidius
beschlich langsam der Verdacht, dass der Zahnbehandlung im
Ausland sich selbst übertroffen hatte. Wann immer er ausgiebig lächelte, war
Stacey wie eine Puppe in seinen Armen, die nur noch rudimentär am Tanzgeschehen teilnahm. Konkurrenten und
Konkurrentinnen verdrehten sich die Köpfe nach seinem Mundwerk, sodass auch ihre Tänze mehrere Unregelmäßigkeiten
durch Ablenkung aufwiesen. Überhaupt schien der ganze Saal nur noch auf das Mundwerk von Egidius fixiert zu sein.
Wann immer er sich um die eigene Achse drehte, sah er wie die Hälse der Zuschauer leicht rotierten, die sich ein
optimales Sichtfeld auf seine Zähne aufrechterhalten wollten.
So wurde der Tanzwettbewerb zum Selbstläufer und Egidius unfd Stacey tanzten
sich unelegant, aber mühelos bis ins Finale, dass sie mit einer zu null Wertung gewannen. Bei der Siegerehrung
wurde Egidius mit Fragen bezüglich seiner Zähne und seines Zahnarztes bombardiert. Er verwies auf
Zahn-Touristen als Adresse. Die
anderen Tänzer fuhren sofort ins nächste Internetcafe, um die kundigen Hände ausfindig zu machen, die solches
Meisterwerk an Egidius Flair vollbracht hatten.
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